Robert – Tinnitus

2. Sitzung (28.11.07) – Mama
Robert erzählt, dass er die Führung durch den alten, weisen Mann aus der 1. Sitzung von gestern auch aus seinem Leben gut kennt. Er hat scheinbar einen guten Kontakt zu seiner inneren Stimme, Intuition.

Sitzung:
Robert kommt vor die gleiche hellbraune Tür wie aus der vorherigen Sitzung. Darauf steht wieder „Tinnitus“ geschrieben.
Der Raum ist komplett weiss; es gibt einen Boden, der aber nicht sichtbar ist. Robert erhält vom Raum die Botschaft, dass er keinen richtigen Halt im Leben hat.

Er ruft eine Situation auf, wo er erlebt hat, dass er den Boden nicht sehen kann. „Als ich in die Welt kam.“ Roberts erster Gedanke nach der Geburt ist, dass er nicht in diese Welt gehört; er hier nicht zu Hause ist.

Der Therapeut rät in der Zeit weiter zurückzugehen, seit wann er dieses Gefühl kennt. „Ich habe das Gefühl plötzlich eingeschaltet zu werden, wie ein Film.“ Robert bittet den weisen Mann um Hilfe, der ihn rät sich im Fernsehen alles anzuschauen.

Robert befindet sich daraufhin wieder in seiner alten Heimat in Rumänien. „Da hat alles angefangen.“ Robert hat das Gefühl, dass er sich dort alles ausgesucht hat. Er ist bei seiner Mutter, die ihm von einem Bombeneinschlag ganz in der Nähe erzählt. Robert selber hat das nicht erlebt, kennt dieses starke Gefühl nur von seiner Mutter. Er bittet seine Mutter ihn zu führen und ist nun ein kleines Baby in ihren Armen. „Ich spüre das nicht.“ Robert geht in seine Mama und fühlt ihre riesige Freude darüber das Baby zu halten. „Ich freue mich so sehr, dass du da bist.“ Robert ist total durchdrungen von diesem Gefühl.

Der Therapeut schlägt vor, das erste Weihnachtsfest zu erleben. Die Mama ist voller Freude. Der Vater ist eher unbeteiligt, er ist abgeschnitten. Robert geht mit ihm in seine Kindheit. „Es sind seine Eltern.“ Der Vater ist noch klein und lebensfroh. Seine Eltern sind sehr streng und drängen ihn immer alles richtig zu machen. Der heutige Robert geht hinzu und macht deutlich, wie unglücklich ihr Sohn später als sein Vater sein wird. Die Grosseltern reagieren ablehnend.

Robert nimmt sie mit in seine Welt und zeigt ihnen seinen Vater, den er verlassen muss, und sein Leben in der Schweiz. „Bei euch hat alles angefangen. Behandelt euren Sohn mit Liebe.“

Die Grosseltern sind betroffen und verteidigen sich, sie hätten das selber nie gelernt. Der Therapeut rät die archetypischen Urbilder von Vater und Mutter herbeizuholen. So das die Grossmutter und der Grossvater sich damit verbinden und fühlende Eltern für Robert’s Vater sein können. „So haben wir das ja nicht gewollt.“ Sie sind nun in der Lage ihren Sohn mit Liebe und Freude zu erziehen. Die Grosseltern sind begeistert.

Robert erlebt seinen Vater am ersten Weihnachtsfest daraufhin liebevoll. Er als Baby freut sich und erlebt seine Eltern harmonisch. Seine Mutter ist ungläubig, dass ihr Mann jetzt froh und liebevoll ist.

Robert spürt auch bei ihr viele Konflikte und bittet sie, ihn in ihre Kindheit mitzunehmen.

Die Grosseltern tauchen auf. „Auch sie wird streng erzogen.“ Vor allem der Opa ist lieblos und davon überzeugt, dass eine gewisse Härte notwendig ist. Robert zeigt dem Opa wie sich die Härte im Leben seiner Mutter umsetzt. „Meine Eltern streiten sich immer. Meine Mutter flüchtet mit mir in die Schweiz. Ihr geht es nicht gut ganz alleine.“

Der Opa will an der Stelle wissen, was er tun kann und er gibt zu verstehen, dass er selber mehr sein Herz aufmachen müsste. Die Farbe für diese Fähigkeit ist für den Opa grün. Robert vermittelt ihm diese Farbe.


Die Wohnung der Grosseltern ist ein schöner Wald geworden; er geht nun liebevoll mit seiner Tochter um. Robert’s Mutter ist selbstbewusst und strahlt.
Wenn sich Robert’s Eltern jetzt streiten, wirkt seiner Mutter erwachsen und der Vater als Kind. Die Mutter lässt sich nicht in den Streit mit hineinziehen und ist ausgeglichener. Robert zeigt das seinem Opa, der stolz auf seine Tochter ist.

Robert lässt seine Kindheit nochmals passieren. „Es ist wie ein Märchen. Ich bin das wichtigste für sie. Sie lassen mich nicht alleine. Meine Mutter ist stark und gibt mir auch Kraft.“
Robert geht zurück in seine ersten Lebenswochen. Er fühlt sich bei beiden wohl und voller Liebe angenommen. „Aber es wirkt nicht so echt. Es kommen keine tiefen Gefühle.“
Robert fragt den alten Weisen, wo seine Gefühle sind. Er müsste erst seine Mauern brechen, die in der Zeit von Schule und Lehre entstanden ist. „In der Zeit fing auch mein Tinnitus an.“ Robert lässt diese Mauer auftauchen. Sie ist unendlich und schwarz. Der 16-jährige Robert kommt dazu und der Grosse zeigt ihm die Mauer, hinter der sich die Gefühle befinden. „Diese Mauer hast du gebaut und sie steht heute noch.“

Robert ist jetzt in der Lehrzeit, die für ihn kaum auszuhalten ist. Nach dieser Lehrzeit bekommt er den Tinnitus.
Der junge Robert erzählt, dass er in der Zeit sein Hobby „Breakdance-Tanzen“, was ihm viel Freude gemacht hat, wegen eines Streites aufhören musste. Dann kam noch die Lehre dazu. Robert geht am Wochenende viel in die Disco und dröhnt sich zu, um alles zu verdrängen.

Der Ohrton kommt und geht in dieser Zeit...und irgendwann bleibt er ganz.
Der junge Robert ist bereit alles zu verändern.

„Der erste Schock sitzt noch tief.“ Der junge Robert muss wegen Rückenschmerzen das Tanzen aufgeben und verliert dabei alle seine Freunde.

Der Therapeut schlägt vor zunächst die Mauer zu sprengen. Der junge Robert geht durch die Überreste und er kann viele Leute erkennen, die auf ihn zukommen. Robert sieht das Meer und eine sonnige Insel. „Es ist alles schön ruhig.“ Alle Innenweltfiguren, die Eltern und Grosseltern tauchen jetzt auf. „Als ob sie eine Pause dringend nötig hätten.“
Die Chefin aus der Lehrzeit und Robert’s erste Freundin stören in der entspannten Atmosphäre.

Der weise Mann schaltet sich ein und gibt vor die beiden aufzuarbeiten.

Als erstes wendet sich Robert seiner ehemaligen Chefin, Astrid, zu. Sie lacht hämisch und bezeichnet Robert als Versager.
Robert konfroberttiert sie in ihrem Büro und zeigt ihr wie seine Lehrzeit für in war. Sie interessiert sich nicht für Robert. „Sie will nicht helfen; sie ist die Chefin und hat zu tun.“ Robert bearbeitet sie mit dem Dhyando. „Jetzt bin ich hier der Chef.“ Robert lässt sie zunächst Kniebeugen machen.

An der Stelle kommt sein Chef in das Büro. „Er ist der Schlimmste. Er ist der Tyrann.“ Er schaut sehr böse, so wie Robert’s Vater.

Er lacht Robert nur aus und ist sehr selbstsicher. Robert zerstört die Fabrik. Der Chef ist daraufhin völlig verzweifelt und packt Robert am Kragen. Er befreit sich mit dem Dhyando. Die Chefin macht derweil Kniebeugen.

Robert setzt sich weiter mit seinem Chef auseinander. „Weißt du Roland, es ist nicht O.K., dass du dich nicht um die Menschen kümmerst.“ Robert versucht ihm die Auswirkungen auf sein Leben klar zu machen. Seinen Chef interessiert das nicht. Robert verschafft sich Gehör mit dem Dhyndo und lässt den jungen Robert auch mitschlagen. Der Junge drischt richtig los und veranstaltet ein Massaker.

Der Chef fragt, was Robert eigentlich will. „Ich will, dass du alle Angestellten menschlich behandelst.“ Er ist ziemlich ratlos und der Meinung, dass die Menschen doch Führung brauchen. Der junge Robert fordert von seinem Chef, die Mitarbeiter mit Gefühl zu behandeln. „Du wirst viel mehr Erfolg haben. Du machst sonst alles kaputt. Mein Leben.“ Der Chef streicht Robert über den Kopf, er will es versuchen und geht in sein Büro.

Robert zeigt seinem Vater wie er sich seinem Chef gegenüber durchsetzt. Er versteht ihn. Robert holt seine Breakdance-Freunde. Er setzt sich mit einem von ihnen auseinander, auf den er heut noch wütend ist. Der Freund behauptet, dass Robert ein Arschloch zu ihnen allen war. „Ich hatte so Frust über meine Rückenschmerzen.“ Der Therapeut empfiehlt, die Wut mit Dhyando rauszulassen. Der Grosse Robert schlägt dem 16-Jährigen vor sich an einem Boxsack abzureagieren und nicht an seinen Freunden auszulassen. Er macht das gleichzeitig mit dem Dhyando. „Immer hat er alles alleine machen müssen. Ein Problem nach dem anderen.“ Die Wut herauslassen tut ihm gut und er strahlt freudig.

An diesem Punkt taucht Robert’s erste Freundin, Shanni, auf. „Ich habe in dir das kleine Kind, das meinen Schutz gesucht hat, gesehen.“ Shanni erwidert, dass sie eben auch ihre Probleme hatte. Die beiden haben täglich gestritten und gegenseitig ihren Frust aneinander abreagiert. Robert vermisst sie, hat aber auch eine riesen Wut auf sie. Er bearbeitet sie mit dem Dhyando. „Du hast mich wie den letzten Dreck behandelt.“ Robert fühlt sich immer noch sexuell sehr zu ihr hingezogen. „Du warst meine erste grosse Liebe. Und es war alles so schön.“ Shanni erklärt, dass sie beide noch nicht so weit waren. Als Robert zum Wehrdienst ging, haben sie sich voneinander getrennt. Robert hat in seiner Wehrdienstzeit jeden Tag unter dieser Trennung gelitten und Angst gehabt.

Die Angst taucht als grosses Monster auf. Robert fragt nach dem Ursprungsereignis. „Das hat angefangen, als mich meine Mutter alleine gelassen hat.“ Robert zeigt ihr und seiner Mutter das Monster. Die Mutter hat das Monster verursacht, seine Freundin hat es wieder sichtbar gemacht, hochkommen lassen.

Robert schlägt das Monster mit dem Dhyando kaputt und kommt dabei an seine Verzweiflung. Robert bittet Shanni ihm seine Gefühle wiederzugeben. „Aber dafür muss ich sie umbringen.“ Robert schlägt. Sein Mutter kommt und fragt, was er da macht. Robert schlägt auf die Mutter, die ihn alleine lässt. „Ich hole meine Gefühle wieder zurück.“ Der Vater taucht auf. Robert bearbeitet ihn ebenfalls. „Das ist ein richtiges Massaker.“

Robert spürt eine starke sexuelle Energie, die er in seiner Angst immer unterdrückt hat. Sie setzt sich in das Bild einer grossen Frau um. Robert hat Angst alleine zu sein. „Ich verzichte lieber auf Sex als alleine zu sein.“ In Robert’s Leben ist Alleinsein und Sex miteinander gekoppelt.

Er setzt sich mit seiner Mutter auseinander: „Immer wenn ich eine Freundin habe, ist sie entweder eine Mutter für mich oder eine gute Freundin mit der ich guten Sex habe.“ Robert erkennt, dass letztere ihn verletzen und alleine lassen. Mit denen, die die Mutterrolle übernommen haben, ist Robert zwar glücklich, hat aber nicht diese sexuellen Gefühle.
Die Mutter erwidert, dass die Sexualität nicht so wichtig sei, auf die Liebe kommt es an. Robert’s Vater schaltet sich ein und betont die Wichtigkeit vom Sex.
Der Therapeut rät eine Freundin, die Robert geliebt hat, neben seiner Mutter zu vergleichen. „Mit der hatte ich wirklich tollen Sex.“

Robert hat daraufhin spontan ein Bild aus seiner Kindheit: er ist 12/13 Jahre alt und hört, dass seine Mutter im Schlafzimmer nebenan Sex hat. Das macht ihm Angst, weil er sich die Geräusche nicht erklären kann. Er konfroberttiert seine Mutter damit. „Ich hatte Angst, der Mann würde dir weh tun.“ Bei Robert ist guter Sex zugleich programmiert mit Angst, dass seiner Mutter, seiner einzigen Bezugsperson, weh getan wird.

Robert geht wieder zum weisen Mann, der ihn bestätigt. Robert testet, ob seine Mutter ihm beim Sex mit seiner Freundin zusehen kann. Die Mutter findet es ekelig und ist genervt. Robert verlangt, dass sie hinter ihm steht und sich freut dass es ihm gut geht. Die Mutter gibt zu, dass es ihr schwer fällt darüber zu reden.

Robert geht mit dem 12/13-Jährigen zu seiner Mutter, wenn sie Sex hat. Der Junge hat Angst, dass der Mann ihm seine Mutter wegnimmt. Der Mann versichert dem Kleinen, dass er ihm die Mutter nicht wegnimmt. Die Mutter müsste es Robert erklären, ist aber völlig verzweifelt. Robert holt noch seinen Vater herbei, der bestätigt, dass Sex völlig normal ist und dazugehört.

Robert macht nochmals den Test und lässt seine Mama zusehen, wenn er Sex hat. Die Mutter lacht. Robert geht umgekehrt an das Bett seiner Mutter und es ist jetzt O.K. für ihn.

Er sucht wieder den weisen Mann auf. Dieser ist überrascht, wie schnell Robert alles bearbeitet. Sein aktuelles Problem mit der jetzigen Freundin sei aber noch nicht gelöst. Robert kann seine Sexualität mit ihr nicht ausleben. Er sagt es ihr direkt. Sie antwortet, dass sie schon bereit ist alles zu machen.

Robert wird klar, dass es daran liegt, dass er sich nicht total auf sie einlässt, weil sie sich auch nicht total auf ihn einlässt. Es geht darum die gegenseitigen Grenzen zu testen und zu erforschen.

Der Kleine Robert meldet sich und macht deutlich, dass er sie nicht verlieren will, weil er sonst wieder alleine ist. Das ist der Punkt, an dem Robert immer wieder nachgibt. Umgekehrt hat seine Freundin genauso Angst, Robert zu verlieren.

Das ist eine Entwicklungsaufgabe, ein Erlebnisthema, sich immer wieder gegenseitig und immer tiefer aufeinander einzulassen. Das gilt es herauszufinden.
Robert’s Gefühl zu seiner Freundin. „Wir helfen uns gegenseitig unser Problem aufzulösen.“

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In der Session können wir rückwirkend die Sperren aufräumen. Die Zukunft muss erlebt und gelebt werden.
Die Auflösung des Tinnitus erfolgt wahrscheinlich sukzessive über einen längeren Zeitraum. Ein Stück Innenwelt-Aufräumen – Umsetzen und neue Erfahrung im Aussen....usw.
Der Anfangsraum hat sich in einen grünen Wald mit einem Fluss verwandelt. Es ist noch ein bisschen nebelig. Alle Innenwelt-Figuren sind dort und freuen sich.